Österreich im Jahr 1980
In den Semesterferien 1980 wollte meine damalige Freundin, die Kunstgeschichte studierte, eine Exkursion zu den Gotik- und Barockbauten in Nieder- und Oberösterreich sowie dem Salzburger Land unternehmen. Nun brauchte sie einen fahrbaren Untersatz und am besten einen Chauffeur dazu. Nicht ganz ohne Hintergedanken erklärte ich mich zu allen Schandtaten bereit und wir verließen am 24. August in aller Herrgottsfrühe die heimatlichen Gefilde in Richtung Passau, wo wir die erste Übernachtung einlegten. Damals gab´s ja noch viel mehr Jugendherbergen als heute.
Über Aigen-Schlägl (Stift Schlägl) ging es weiter nach Bad Leonfelden, wo wir wieder unser Nachtquartier bezogen. Von da aus wurde natürlich der Kefermarkter Flügelaltar erkundet und nebenbei noch nach der Summerauer Bahn geschielt, wo an diesem Tag kaum etwas fuhr.
Der nächste Tag gehörte dann ganz den Waldvierteler Schmalspurbahnen, bevor das Stift Zwettl auf dem Programm stand. Am Stift Melk kommt wohl kaum ein Kunsthistoriker vorbei und damit war dieser Ort auch gesetzt, bevor uns das "gastfreundliche Bechelaren" (Pöchlarn) ein Nachtquartier bot.
Durch geschickte Routenplanung sprang dann doch immer ein wenig Eisenbahn für mich heraus und so waren wir beide mit der jeweiligen Fotoausbeute ganz zufrieden. Steyrtalbahn, Almtal- und Schafbergbahn konnten letztendlich noch in die Programmgestaltung einbezogen werden, bevor Kunst und Kultur vollends zum Zuge kamen und auch ihren zeitlichen Tribut forderten.
Waldvierteler Schmalspurbahn am 26. August 1980
Steyrtalbahn am 28. August 1980
Der 28. August 1980 war ein extrem heißer Tag, an dem die geringste Art von Bewegung schon heftigste Schweißproduktion auslöste. Ich verzichtete daher lieber auf irgendwelche Wanderungen entlang der Strecke, was sich auch in der nicht gerade üppigen Anzahl von Bildern wiederspiegelt. Ein ausgiebiges Picknick im Schatten an der Strecke war absolut erholsam und angesagt. Hobby muss ja nicht immer in Stress ausarten, besonders in Anwesenheit der damaligen Herzensdame!
Und wer noch gerne etwas Wissenswertes über die Wallfahrtskirche Christkindl erfahren möchte, wird hier fündig,
Was ich heute bereue, ist die Tatsache, dass wir nicht die Zugförderungsstelle in Garsten besucht haben, aber es war ja heiß ... sehr heiß! 

Schafbergbahn am 30. August 1980
Nach einer sehr angenehmen Nacht in Bad Ischl hatten wir vor mit der Zahnradbahn auf den Schafberg zu fahren und uns danach um die Wallfahrtskirche in St. Wolfgang zu kümmern. Leider war der Himmel verhangen, die Wolken hingen fast bis zum See hinunter und es regnete wie aus Kübeln; das Wetter an der Bergstation machte auch keine Hoffnung (Regen, 100m Sicht) auf einen schönen Bergausflug.
Wir beließen es bei ein paar Aufnahmen bei der Talstation und beschlossen die gesparten 200 Schilling pro Nase anderweitig auszugeben. Nachdem wir wieder am Auto waren, bemerkte die holde Begleiterin, dass sie ihren heißgeliebten Damenblazer wohl in der Jugendherberge in Steyr vergessen haben müsse. Ein Anruf dort verschaffte Klarheit und so hieß es wieder zurück nach Steyr! Auf der Rückfahrt entdeckte ich beim Gasthaus Zehetner in Pfandl die SKGLB Nr. 4 als Denkmal; auf der Hinfahrt war sie mir nicht aufgefallen.
Die Geschichte der SKGLB (Salzkammergut-Lokalbahn) wird u.a. hier recht ausführlich behandelt.
Die Fahrt durchs Gebirg´ bei Regen und Nebel war dann nicht sehr angenehm und so erreichten wir gegen Abend dann wieder die Steyrtalbahn.
... und nochmal Steyrtal
Bei Einbruch der Dunkelheit erreichten wir den Bahnhof Grünburg und konnten auf die Schnelle noch drei Aufnahmen bei strömendem Regen machen, bevor das Licht nicht mehr ausreichte.
In der JH in Steyr war der geliebte Blazer noch da und wir checkten nochmals für eine Nacht ein.
Was wir nicht wußten bzw. ahnten, war, dass eine Jugendtrachtengruppe und Blaskapelle aus dem Bayerischen Wald auch im Hause nächtigten. Die ganze Nacht über gab es Geschrei und Türenschlagen, halbnackte Burschen und Deandl(Mädchen) jagten sich schreiend und schwitzend im Bierdimpfl durch Flure und Zimmer ... bis morgens um Vier hatte ich kein Auge zugemacht, dann endlich war Ruhe:
Das Bier hatte endlich über die bajuwarischen Hormone gesiegt! 
Und ich wollte eigentlich nur noch heim ...
Beifang im Almtal am 31. August 1980
Nach dieser furchtbaren Nacht wollten wir nur noch schnell weg aus Steyr und waren schon recht früh unterwegs in Richtung Kremsmünster, wo natürlich das bedeutende Benediktinerstift mit der ebenso bekannten Sternwarte besichtigt werden musste.
Auf dem Weg von Kremsmünster nach Stadl-Paura kommt man unweigerlich durch den Ort Sattledt.
Und wenn man unterwegs schon irgendwelche suspekten Gestalten mit Kameras vor der Brust an der Bahnlinie erspäht, dann muss etwas im Busche sein. Schnell wurde also der Bahnhof angesteuert und die Zeit reichte kaum noch um richtig aus dem Auto auszusteigen, denn schon bog ein Dampfzug um die Kurve.
Die ÖGEG veranstaltete eine Zeit lang regelmäßig Dampfzüge auf der Almtalbahn und so kamen wir in den Genuss der 93.1455 vor einem recht langen Sonderzug nach Grünau im Almtal.
Waldvierteler Schmalspurbahn am 10. Oktober 1980
Vor dem Winter wollte ich noch einmal die Schmalspurbahnen im Waldviertel besuchen und verband dies gleichzeitig mit einem Besuch bei der Verwandtschaft in Schenkenfelden (Mühlviertel).
So war der Anfahrtweg nicht allzu lang und gleicheitig war auch die Unterkunftsfrage geklärt.
Das Wetter an diesem Wochenende war zwar nicht berauschend, aber die kühle Herbstluft sorgte für eine gute Dampfentwicklung bei den Zügen.
Abwechslung gab es auch bei den Dampfloks aus der ČSSR, da statt der Budweiser Stammlok 556.0506 diesmal die 556.0349 zum Zuge kam. Diese war weit weniger gut gepflegt als ihre Schwesterlok und bot bei dem trüben Wetter keinen besonderen Blickfang. (Die Bilder sind heller als es in Wirklichkeit war!) Bei dieser Lok warem im Übrigen alle roten Sterne schwarz überpinselt, was von vielen Betrachtern immer noch als stiller Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 gewertet wurde.
Das Waldviertel selbst ist eine sehr interessante Landschaft und gilt als "Österreichisch Kanada", da es hier immer ein Stückchen kälter ist als anderswo in Österreich. Gute Informationen findet man wie gewohnt hier.
Leider, leider wurde das Wetter gegen Nachmittag immer schlechter, so dass ich keine Aufnahmen mehr machen konnte. Am nächsten Tag trat ich dann in strömendem Regen die Heimreise nach Freising an.
Hier gibt es einen Übersichtsplan der Schmalspurstrecken.
